Die Welt mit nach Hause nehmen – deutsche und dänische Kindergartenkinder begegnen sich

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Bereits seit drei Jahren arbeiten die Kindergärten Der Kastanienhof aus Ostholstein und Tryllefløjten aus Lolland eng zusammen. Die Kindergartenkinder besuchen sich regelmäßig. Heute sind die deutschen Kinder zu Gast in Dänemark – diesmal ohne deren Eltern. kultKIT-Reporterin Freya Anduin hat die Begegnung besucht.

Die Kinder vom Förderzentrum Kastanienhof steigen aus dem Minibus und betreten den vertrauten Weg durch den dänischen Kindergarten. Das Ziel: ihre dänischen Freunde, die in der Sandkiste spielen. Die unterschiedlichen Sprachen sind für sie keine Barriere. Ohne Einwirken der Erwachsenen beginnen die Kinder gemeinsam zu spielen. Für die Kinder ist dies natürlicher Alltag. Sie spielen und beginnen gemeinsam zu singen.

Die deutschen und dänischen Lieder sind im Voraus geübt worden. Die dänischen Kinder singen etwas zaghafter, es sind viele neue Gesichter in der Gruppe.

Das zwischenmenschliche Verständnis

Die Nachbarsprachenkompetenzen der dänischen Pädagoginnen und Pädagogen und der deutschen Erzieher/-innen befinden sich nicht auf einem professionellen Niveau. Doch dies ist auch kein Hindernis. Die Zusammenarbeit funktioniert – und die Kinder sind froh. Als Reporterin für kultKIT wurde ich zu der deutsch-dänischen Kindergarten-Begegnung eingeladen. Obwohl ich alles andere als perfekt Deutsch spreche, fällt es mir leicht, mich mit den deutschen Kindern auszutauschen. Meine Hemmungen sind verschwunden und ich fühle mich in der geborgenen Stimmung gut aufgehoben.

Fasziniert betrachte ich die spielenden Kinder, bin behilflich bei der Suche nach der richtigen Größe „Prinzessenkleid“. Ich bin begeistert. Es ist gemütlich, ´hyggeligt´, die Kinder spielen und haben keine Herausforderungen bei dem gegenseitigen Austausch, es gibt kein „wir-und-die anderen“. Wer war den jetzt eigentlich deutsch und wer dänisch? Ich kann es nicht mehr feststellen.

Eine weltoffene Zusammenarbeit

Beide Kindergärten sind sehr zufrieden mit ihrer Zusammenarbeit. Es ist spannend, die Praxis des deutschen Kindergartens zu erleben, und die Kinder erleben etwas Außergewöhnliches, erzählt mir die dänische Pädagogin Pia Mortensen. „Mit der Hilfe von kultKIT bekommen die Kinder die Welt zu sehen und erleben eine andere Kultur, dies ist sehr bereichernd. Es ist wichtig, dass Kinder und ihre Erzieher/-innen die Welt erforschen, und die Welt mit nach Hause nehmen.“

Ein guter Ansatz

Wenn die deutsch-dänische Zusammenarbeit noch besser funktionieren soll, dann sind die Begegnungen der Kinder ein guter Ansatz, denke ich bei dem Verlassen des Kindergartens.

Die Kinder betrachten die Nachbarsprache nicht als schwierig oder als Fremdsprache. Sie entwickeln unmittelbar Freundschaften und erzeugen ein funktionelles, sprachliches Fundament, in dem sie sich wohl fühlen. Als Jugendliche werden sie zwischen einer Ausbildung in Deutschland und Dänemark entscheiden können und die Option besitzen, auf beiden Seiten der Grenze Arbeit zu suchen. Es ergeben sich viele Möglichkeiten, wenn man sich wohl fühlt auf beiden Seiten des Fehmarnbelts.

Ein beindruckendes Beispiel

Die Begegnung der Kindergartenkinder geschieht im Rahmen der sogenannten kultKIT-Kompetenzentwicklung. Diese ist ein wichtiger Teil des Interreg-Dachförderprojekts „kultKIT: Deutsch-dänische Begegnungen“ und stärkt dabei die Kultur und Freizeit Politik der Lolland Kommune, in der die internationale Zusammenarbeit in der Fehmarnbelt-Region zentral ist.

„Ich hoffe, dass die Zusammenarbeit der Kindergärten noch lange Zeit fortgesetzt wird. Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie kultKIT die Kinder und Freizeitpolitik der Lolland Kommune ergänzt“, sagt Kultur- und Freizeitkonsulentin Louise Boye Moe, die gleichzeitig kultKIT auf Lolland vertritt. „Die Kindergarten-Zusammenarbeit zeigt auf beeindruckende Art und Weise, was erreicht werden kann, wenn wir uns vollen Herzens engagieren.“

Alle anderen Kindergartenkinder der Region besitzen auch die Möglichkeit, die Welt zu erforschen und mit nach Hause zu nehmen, oder zumindest ein Stückchen vom Nachbarland. kultKIT möchte gerne Kontakt zu Kindergärten aufnehmen, die interessiert daran sind, an der kultKIT-Kindergarten-Zusammenarbeit mitzuwirken. Eine Eigenfinanzierung ist nicht notwendig und fachgerechte Lehrbücher gibt es bereits. Innerhalb kürzester Zeit könnten neue deutsch-dänische Sandkistenfreundschaften etabliert werden, zur großen Freude der Kindergartenkinder.

 

Die Publizierung dieser Bilder geschieht in Abstimmung mit den Eltern der Kindergartenkinder.

Freya Anduin

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