Kultur · 30 märz 2020 · Jens Høvsgaard

„Deutschland ist kein altmodisches Land – unser System funktioniert nur anders“

Gibt man die Vogelfluglinie zwischen Næstved Gymnasium in Dänemark und Thomas-Mann-Schule in Lübeck auf einer Karte ein, dann sind es genau 167 Kilometer.

Die Entfernung scheint groß zu sein, und als Schüler aus beiden Gymnasien sich gegenseitig jeweils in Dänemark und in Deutschland kennenlernten, war der erste Eindruck auch, dass der Unterschied im Alltag himmelweit war.

„In Wirklichkeit ist der Unterschied überhaupt nicht so groß. Das erfuhren wir, als wir Næstved besuchten“, scheiben die Schüler aus der Klasse Eb an der Thomas-Mann-Schule in ihrem Abschlussbericht, den sie am Ende des kultKIT-geförderten Projekts „Gemeinsamkeiten erforschen“ erstellten.

 

Dänische Studierende verdienen Geld

In der Projektbeschreibung wird es darauf angelegt, dass das interkulturelle Verständnis gefördert werden soll und dass der Sprachaustausch der Nachbarländer möglichst groß ist. Essentiell dabei ist, dass Menschen sich persönlich treffen, zusammenarbeiten und von einander lernen.

Mit diesem Ausgangspunkt waren die Gymnasiasten aus 2. a aus Næstved und Klasse Eb aus Lübeck zwei Male beieinander zu Besuch. Sie haben sowohl an gemeinsamen Projektunterricht teilgenommen als auch kulturelle Sehenswürdigkeiten zusammen besucht. Während ihres dreitägigen Besuchs sind sie privat untergebracht gewesen und so hatten sie auch die Möglichkeit, sich mit dem Familien- und Freizeitleben bekannt zu machen und Kontakte zu knüpfen.

„Wir haben grundlegend gelernt, dass die Länder eigentlich sehr ähnlich sind. Sowohl Deutsche als auch Dänen sind recht unvoreingenommen“, betonen die deutschen Schüler in ihrem Abschlussbericht, aber gleichzeitig wundern sie sich, dass viele dänische Schüler und Gymnasiasten trotzdem einen Freizeitjob haben.

„Das ist in Deutschland nicht gängig. Wenn man einen Freizeitjob in Deutschland hat, ist es häufig nicht wegen des Geldes, sondern aus Interesse“, schreiben sie.

 

Unterricht im Cyberspace

Die deutschen Gymnasiasten beschreiben auch, dass Computer weit häufiger im dänischen Unterricht verwendet werden. Das ist in Deutschland nicht gewöhnlich, und das hat nichts damit zu tun, dass Deutschland nicht auf dem Laufenden ist, meinen die Gymnasiasten:

„Es ist wichtig zu bemerken, dass Deutschland kein altmodisches Land ist – unser System funktioniert einfach auf eine andere Art und Weise, welches nicht unbedingt schlechter als in Dänemark ist“, schreiben sie.

Am Ende des Abschlussberichtes fassen die Gymnasiasten aus der Thomas-Mann-Schule die Ausbeute des Treffens mit den dänischen Gymnasiasten aus Næstved Gymnasium zusammen. Fazit ist, dass die Kultur und der Schultag in beiden Ländern unterschiedlich sind, jedoch nicht so groß, dass keine starken Verbindungen quer durch die Grenze gebildet werden können.

„Natürlich kann der Sprachunterschied eine Barriere sein, aber sie ist da, um gebrochen zu werden“, schließen die deutschen Gymnasiasten ab.