Kultur · 30 märz 2020 · Jens Høvsgaard

Eine goldene Brücke über den Fehmarnbelt

Früher waren Kinderlieder und Instrumente ein fester Bestandteil der Kinderbetreuung in dänischen Kitas, aber derzeit werden sie oft von anderen pädagogischen Prinzipien wie z.B. Naturkunde ersetzt, wodurch die Rhythmik eher in den Hintergrund tritt. Die kultKIT-geförderte Initiative Kleine Füße bringt nun wieder Reime und Verse in den Alltag der kleinsten Mitbürger in den Vordergrund!

„Wir rüsten das pädagogische Personal mit konkreten Werkzeugen, damit Musik und das Singen wieder einen natürlichen Bestandteil im Alltag der Kinder werden“, sagt Katrine Gjesing, Leiterin der Kinderkulturabteilung in der Næstved Kommune und Initiatorin des Projekts. Das Projekt wird von dem Kinderkulturhaus in Næstved dirigiert, und es ist Gjesings Wunsch, dass die Resultate von Kleine Füße auch über die  kommunalen Grenzen hinaus verbreitet werden.

„Wir möchten, das die staubige Gitarre von der Wand genommen wird und wieder in die Krippe und Kindergarten gebracht wird“, sagt Gjesing, und sie unterstreicht, dass es an Praxiswissen fehlt und dass einige Erzieher eigene musikalische Fähigkeiten bezweifeln und das Singen peinlich finden.

 

Jeder hat eine Stimme

In einer Zeit mit „The Voice of Germany“ und anderen Musik-Castingshows, sind einige Erzieher mit Sicherheit der Auffassung, dass sie nicht gut genug singen, aber diese Vorstellung müssen sie an den Nagel hängen, meint Gjesing.

„Jeder hat eine Stimme, die in der Arbeit mit Kindern tauglich ist. Ziel des Projekts ist es, dass Erzieher stolz sagen zu können: Ich singe gerne mit Kindern“.

Im Zusammenhang mit dem Projekt wird u.a. ein Ideenportal mit 25 Kinderliedern entwickelt, welches die Arbeit vor Ort mit 1-2- und 3-4-jährigen Kindern anregen und motivieren soll.

„Die Wiedererkennung erzeugt ein Gefühl von Sicherheit und schafft zudem eine Verbindung zwischen Kinderkrippe und Kindergarten“, sagt Gjesing.

 

Inspiration aus Deutschland

Grundsätzlich sind dänische Kinder- und Bewegungslieder im Programm aufgenommen, aber Gjesing und ihre Kollegen haben auch den Blick auf die andere Seite des Fehmarnbelts gerichtet, um besser zu verstehen, wie Erzieher/-innen die Phantasie, den Körper und die Stimme als pädagogisches Werkzeug einsetzen können.

„Durch kultKIT ist es gelungen die deutsche Sängerin, Musikpädagogin und Dozentin für Musikwissenschaften an der Musikschule Hannover Stadt Johanna Bookmeyer an dem Projekt zu knüpfen“, sagt Gjesing.

Evaluierung und Feedback

Das Fachgebiet von Bookmeyer umfasst die Integration und Anwendung vom Singen und Musik in Schulen und Kitas. Basierend auf ihrer Forschung hat sie eine Synopsis erarbeitet, welche dem Projekt in Næstved wertvolle Einsichten und Inspiration liefert. Dänische Stimmen werden aber auch zu dem Unterricht und der Vermittlung beitragen.

Kirstin Lundblad ist Sängerin und hat einen Master in Kinder- und Jugendkultur. Im Rahmen von Kleine Füße entwickelt Lundblad für kultKIT eine Fortbildung, die die Kompetenzen der teilnehmenden Erzieher/-innen im alltäglichen Umgang mit Sing- und Musikaktivitäten bereichert. Zuvor hat Lundblad in dem Fach „Spielen, Musik und Bewegung mit Kindern“ an dem Rhythmischen Konservatorium in Kopenhagen unterrichtet. Ziel ist es, das 200 Pädagogen und Erzieher/-innen der Næstved Kommune Lundblads Fortbildung absolvieren.

Lonnie Kristiansen von der Musikschule in Næstved hat die Verantwortung für die Durchführung der 12 Fortbildungstage und einem nachträglichen Besuch in den Kindergärten und Krippen der teilnehmenden Erzieher. Dies ermöglicht produktives Feedback und weitere Anregungen zur Implementierung der alltäglichen Arbeit mit Musik, Spielen und Bewegung in den Krippen und Kindergärten.

„Es geht einfach darum, dass die Erzieher in den Krippen und Kindergärten erleben, dass es gar nicht so schwer ist mit Kindern zu singen, durch Kleine Füße schaffen wir ein sicheres Fundament“, sagt Gjesing.

Verschoben wegen Corona

Laut Plan hätte das Projekt am 13. März anfangen sollen, aber aufgrund der außerordentlichen Situation und verschärften Vorschriften wegen Versammlungen ist die erste Wissen- und Erfahrungsaustauschbegegnung im Kinderkulturhaus Næstved vertagt worden. Einen fortläufigen digitalen Austausch gibt es bereits.